„Aktivitäten der Landesregierung zum Erhalt des Titels 'Biosphärenreservat Rhön'“

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, „3 Prozent - eine ominöse Zahl schwebt über der Rhön“ - das war eine Schlagzeile der „Südthüringer Zeitung“ vor drei oder vier Tagen. Was heißt das? Das heißt, dass die UNESCO eine Einrichtung einer sogenannten Kernzone ordert, die im Biosphärenreservat Rhön 3 Prozent ausmachen soll. Was soll auf diesen 3 Prozent passieren? Auf 3 Prozent dieser Fläche soll ein sogenannter Prozessschutz stattfinden. Das heißt, in einer definierten Zone wird der Wald quasi sich selbst überlassen und so weit wie möglich von menschlichen Einflüssen befreit. Mittelfristig soll daraus ein sogenannter Urwald entstehen. Dieser dient unter anderem der Wissenschaft, der Biologie und der Forstwirtschaft. Diese Ergebnisse der Forschung können in dem zukünftigen Waldeinbau mit einfließen. Auch ist zur Minimierung der Umwelteinflüsse eine entsprechende Mindestgröße angedacht, hier 50 ha mit 3 Prozent der Gesamtfläche des Biosphärenreservats Rhön abgedeckt. Die Gesamtfläche kann von einem Bundesland, hier reden wir über Bayern, Hessen und Thüringen, abgedeckt werden oder anteilig von den Anrainerländern - Voraussetzung ist ein zusammenhängendes Gebiet - abgedeckt werden. Es müssen also gegebenenfalls in jedem Bundesland Flächen ausgesucht werden, die sich dann für eine zusammenhängende Kernzone eignen. Bayern hat bis dato 0,5 bis 0,6 Prozent der nötigen 3 Prozent der Gesamtfläche als mögliche Gebiete bestimmt. Hier ist bis 2013 weiterer intensiver Koordinierungsbedarf zwischen den drei Ländern, sprich den drei Landesregierungen, erforderlich, dies auf der Basis einer Evaluierung durch die UNESCO in einem 10-Jahres-Rhythmus. Die letzte Evaluierung im Jahr 2003 ergab Handlungsbedarf bei den Kernzonen. Die Lösung des Handlungsbedarfs ist, wie wir wissen, bis 2013 nötig. Das Hauptinteresse des Biosphärenreservats Rhön ist also die Definition einer Kernzone bis 2013. Die Kernzone bietet Rückzugsräume für bedrohte Tierarten. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Artensterbens ist dieses Projekt ein wichtiger Baustein des regionalen Artenschutzes. Den Menschen, das heißt den Gästen und der örtlichen Bevölkerung, soll aber auch erlebbar gemacht werden, wie sich ein naturbelassener Wald entwickelt. Dies dient dem Schärfen des Bewusstseins für den regionalen Artenschutz. Wichtige Punkte sind: Die Menschen sollen an der Entwicklung der Kernzone mit teilhaben können und nicht ausgesperrt werden. Der sogenannte Urwald im Biosphärenreservat Rhön soll anschaulich dargestellt werden. Ausdrücklich betone ich es zum Schluss, weil das auch in der Rede des Kollegen aus der SPD-Fraktion vorhin federführend angeklungen ist, dass das Biosphärenreservat Rhön sagt, es möchte mit seinem Naturschutzgebiet ausdrücklich keine touristische Verwertung
der Kernzone erreichen, denn dies wäre eine Konterkarierung des eigentlichen Konzepts. Vielen Dank.

03.03.2010 2274