Rede zum Thema: "Problematische Situation an Thüringer Grundschulhorten"

Frau Präsidentin, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, Thema „Situation der Grundschulhorte in Thüringen“. Als ich dieses Thema zur Aktuelle Stunde gelesen habe, habe ich gedacht, ach, das ist etwas Schönes, da kann ich meine Frau fragen, die macht das schon 18 Jahre, mittlerweile seit 10 Jahren als Hortleiterin in der Grundschule. Da habe ich gedacht, fragst sie mal, sie kennt sich da bestimmt gut aus. Ich habe mich nicht geirrt. Ich habe die eine oder andere Erfahrung gemacht oder auch die eine oder andere Information erhalten. Ich glaube, das Problem ist, denke ich mal, viel facettenreicher. Um einmal ein paar Fakten auf den Tisch zu legen, die Erzieherinnen, die momentan im Landesdienst in den Grundschulhorten beschäftigt sind, sind im überwiegenden Teil mit 32 Wochenstunden beschäftigt, das sind ungefähr 80 Prozent der möglichen Arbeitszeit. Das kann man leicht ausrechnen. Bei den kommunalen Arbeitszeitmodellen oder den kommunalen Trägerschaftsmodellen, die im Land Thüringen versucht werden, wird in aller Regel mit 20 Wochenstunden eingestellt. Wenn ich jetzt ein junger Mensch bin, der eine fertige Ausbildung hat und sehr gern vielleicht an einem Grundschulhort arbeiten würde, dann kommt mir ganz schnell der Gedanke, mit 20 Stunden am Anfang meiner Arbeitswelt, die ja vielleicht irgendwann einmal Einfluss auf meine Altersbezüge hat, die vielleicht einmal Einfluss auch auf mein späteres Fortkommen hat, das reicht mir nicht. Ich suche mir Alternativen; die Alternativen sind dann Kindertagesstätten, andere Kindereinrichtungen. Das ist ungesund, weil wir dann anfangen und einen Wettbewerb schaffen, den wir nicht gewollt haben. Wir wollen zusätzliche Kindergartenerzieherinnen, Herr Matschie, da sind wir uns einig. Wir wollen sie aber nicht aus bestehenden anderen rekrutieren, weil das genau der falsche Weg ist. Ich komme gleich darauf - Geduld. Frau Sojka hat es schon angesprochen, es fehlen circa 100 unbesetzte Erzieherstellen in den Thüringer Grundschulhorten. Warum fehlen die denn? Das ist eine gute Frage. Sie haben es vorhin auch schon einmal angedeutet. Es sind viele ausgeschieden. Die Stellen sind nicht nachbesetzt worden. Es sind die Schlüssel der Kinder erhöht worden. Auch das ist ein Problem. Ich sage es noch einmal ganz eindeutig: Für mich - vielleicht stehe ich mittlerweile fast allein da in Thüringen, bin der einsame Rufer in der Wüste - hat ein Grundschulhort einen Bildungsauftrag. Da reicht es nicht, wenn ich mir dort bestimmt willige und fähige Kräfte organisiere, die auch gern bereit sind, die Zeit zu überbrücken von 12:00 Uhr oder 13:00 Uhr bis 16:00 Uhr, nein, ein Grundschulhort zeichnet sich auch dadurch aus, dass er mit den Kindern Unterrichtsstoff wiederholt und auch Hausaufgaben macht. Manche Eltern werden sich wundern, wenn das nicht mehr so ist. Ich glaube, das ist ein ganz großer Punkt, darüber müssen wir reden. Wir haben natürlich auch bei dem Mangel an Erziehern auch den Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Auch das sollten wir nicht verschweigen, das ist so. Das ist im Übrigen auch ein Punkt, wo es über Entlohnung geht. Eines, was ganz wichtig ist: Junge Menschen sind heute grundlegend immer mehr mobil. Das ist so, das werden wir nicht verhindern, das ist auch gut so. Die haben natürlich auch kein Problem, dann nach Hessen oder nach Bayern zu gehen. Die können auch noch viel weiter weggehen. Junge Menschen, das sage ich noch einmal, wollen gefördert und gefordert werden. Das heißt aber nicht, dass ich sie mit 20 Wochenstunden an den Thüringer Grundschulhorten einstelle und dann der Meinung bin, ich bin dort bereit, große Leistungen, ich bin enthusiastisch und ich will mich hier einbringen. Das ist der falsche Weg, das sage ich noch einmal. Wir sollten grundsätzlich über Qualität und auch darüber nachdenken, welchen Auftrag haben Erzieherinnen und Erzieher an Thüringer Grundschulhorten. Ich glaube, das ist eine Diskussionsgrundlage, das würde ich mir einmal im Landtag wünschen. Dann nützen all die politischen Grundsatzreden nicht viel, dann sollte man Praktiker mit ins Boot nehmen. Ich habe das auch gemacht und es ist mir nicht ganz schlecht bekommen. Vielen Dank.

07.01.2011 1937