Rede zum Antrag der Fraktion der CDU zum Thema: „16. Shell-Jugendstudie - Auswertung mit Blick auf die junge Generation Thüringens"

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren, nun auf den ersten flüchtigen Blick könnte man ja meinen, dass es gut aussieht für die Jugend in Thüringen bzw. dass die Jugend ihre Zukunft in Deutschland positiv bewertet. Im überwiegenden Teil der Jugend des Jahres 2010 herrscht genau diese Sicht vor. Sie bleibt weiter zuversichtlich und lässt sich weder durch die Wirtschaftskrise noch unsicher werdende Berufsverläufe und Perspektiven von ihrer optimistischen Grundhaltung abbringen. Es gibt ja auch kaum einen Grund dafür, vom Gegenteil überzeugt zu sein. Deswegen macht es mich schon etwas bestürzt, wenn die Kollegin König davon spricht, dass wir hier kurz davor sind, dass in Deutschland und in Thüringen alles zusammenbricht. Aber vielleicht hat sie ja diese Meinung exklusiv allein. Die Kinder und Jugendlichen wachsen ja in einer Gesellschaft auf, in der Frieden, Freiheit und Wohlstand vorherrschend sind. Die Probleme anderer Länder kennen sie meistens nur aus den Nachrichten. Sie wissen, dass die Bundesrepublik und unser Freistaat ein Land ist, in dem es sich zu leben lohnt. Sie sind damit weit realistischer als wir es unserer jungen Generation sehr oft unterstellen. Die Studie ist damit auch ein Beleg dafür, dass die Politik in den letzten Jahrzehnten ja doch nicht alles falsch gemacht haben kann. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Jugendliche haben zumeist eine Wertematrix, die man schon bewundern darf. Leistungsbereitschaft, aber auch einen klaren Blick für Wert und Bildung sollten uns Erwachsene durchaus positiv stimmen und uns mahnen, vielleicht öfter einmal darauf zu hören, was die Jungen und die Jüngsten zu dem einen oder anderen politischen Thema uns zu sagen haben. Die Jugend ist also weiter, als manch einer innerhalb unseres politischen Betriebes glauben mag. Die gerade oftmals gescholtene Globalisierung wird dann schon realistisch eingeschätzt. Sie ist Voraussetzung von Freiheit und Wohlstand in diesem Land, kann aber, wenn sie nicht gestaltet wird, auch zu Problemen führen. Es ist das Einsehen darin, dass man sich bietende Chancen nutzen, aber auch für die Gestaltung der Welt Verantwortung tragen muss. Wieder eine, wie ich meine, bemerkenswerte Einstellung. Die Jugend ist auch nicht zu unpolitisch, wie man oft behauptet. Im Gegenteil, sie ist sehr daran interessiert, ihr Umfeld aktiv mitzugestalten. Gerade im kommunalen Bereich täten wir sehr gut daran, dies besser als bisher, ihnen dafür auch die Möglichkeit einzuräumen. Meine Damen und Herren, ich habe aber den Beginn meiner Ausführungen nicht ohne Grund mit dem Zusatz des flüchtigen Blickes versehen. Denn wo Licht ist, ist meist auch Schatten. Wir sollten nicht der Illusion erliegen, dass die Welt nunmehr vollkommen in Ordnung ist. Auch wenn die Zahl derjenigen rückläufig ist, die ihre Zukunft als düster beschreiben oder wir und der Staat nicht jeden an die Hand nehmen können und zu seinem Glück führen, machen doch die sechs Prozent sehr nachdenklich, die für sich selbst kaum eine Perspektive sehen. Als zentrale Variable für die Bewertung der eigenen Lebenschancen stellt sich, und das ist hier schon mehr betont worden, die Bildung heraus. Da Thüringen bei den letzten PISA-Studien hier aber durchschnittlich gut oder sehr gut abgeschlossen hat, sollte man den Teufel tun und ideologische Schulformen - leider ist weder der Minister, noch sein Staatssekretär da, aber vielleicht kann der eine oder andere Kollege aus der SPD-Fraktion ihm das ja übermitteln - wie zum Beispiel die einer Gemeinschaftsschule einführen und damit die Axt an die in zwei Jahrzehnten erfolgreich gewachsene pluralistische Bildungslandschaft anzusetzen. Die neue Gemeinschaftsschule einzuführen und gleichzeitig Schulen in freier Trägerschaft zu schädigen, halte ich nicht für ein nachhaltiges Bildungskonzept. Bildung - haben wir gerade gelernt - ist das, was viele Jugendliche, und das zu Recht, als gesellschaftliche Aufstiegschancen sehen. Wir haben auch gelernt, beste Bildung gleich größere Chancen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

07.01.2011 1955