Organspende in Thüringen fördern

Vielen Dank, Frau Präsidentin. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, erst einmal vielen Dank, Herr Dr. Schubert, für den Bericht. Ich glaube, der war sehr ausführlich und sehr informativ. Sie haben gesagt, dass in Thüringen schon viel getan wird. Da gebe ich Ihnen recht. Sie haben aber auch gesagt, dass wir noch in vielen Punkten noch besser werden können, und genau das ist die Intention unseres Antrags, dass wir uns dann im Ausschuss darüber noch einmal verständigen können und von daher noch einmal vielen Dank für Ihren Bericht. Organ- und Gewebeübertragung gehören heute in Deutschland und in den meisten anderen Staaten mit einem hoch entwickelten Gesundheitswesen zum Standard der medizinischen Versorgung. Mit
jeder Transplantation kann Leben gerettet, eine Krankheit geheilt oder gelindert werden. Und jedem einzelnen Patienten kann diese letzte Möglichkeit der Medizin, die Gesundheit schwerkranker Menschen wieder herzustellen, neue Freiheiten, neue
Möglichkeiten der Lebensführung und Lebensplanung eröffnen. Für viele Patienten ist der Tag der Operation deshalb auch der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, den sie wie einen zweiten Geburtstag feiern. Das alles wäre ohne die Bereitschaft zur Organspende nicht möglich. Diese Bereitschaft ist ein besonderes Zeugnis der Mitmenschlichkeit. Denn wer sich dazu entschließt, will zuallererst kranken Menschen helfen, ohne Absichten und ohne die Gewissheit haben zu können, bei einer eigenen schweren Krankheit die gleiche Hilfe zu erhalten. Deshalb ist die Bereitschaft zur Organspende im besten Sinne des Wortes zuallererst uneigennützig.
Sie ist ein ganz persönliches Beispiel praktizierter Nächstenliebe. Dafür kann man nur dankbar sein. Ich sage das mit allem Respekt vor denen, die sich nicht zu einer Organspende entschließen können, aus welchen Gründen auch immer. Es steht niemandem zu, diese Entscheidung zu kritisieren und es steht erst recht niemandem zu, das Maß der Mitmenschlichkeit nur und ausschließlich oder doch zuerst am Kriterium der Organspende festzumachen. Eine Moral, die das zulässt oder fördert, würde sich selbst verurteilen. Unsere Aufgabe ist es daher, die Voraussetzungen für Transplantationen und ihre rechtlichen Grundlagen zu gestalten. Das Thema Organspende immer wieder in die Diskussion zu führen, liegt nicht zuletzt auch daran, dass viele Menschen auf die Organspende und die Organtransplantation so sensibel wie auf kaum einen anderen Bereich der medizinischen Versorgung reagieren. Die Menschen reagieren auf dieses Thema deshalb so sensibel, weil es hier weit über die medizinischen Aspekte hinaus auch um grundsätzliche rechtliche und ethische Fragen des Zusammenlebens in einer Gesellschaft geht, die jeden Einzelnen unmittelbar betreffen können. Auch hier tauchen Fragen auf, die weit über das eigentliche Lebenhinausgehen. Es geht um eine besondere Form der Verbundenheit zwischen den Menschen, die über den Tod hinauswirkt. Jeder von uns steht hier vor der Frage, ob er zu dieser Verbundenheit bereit ist und zu welchen Konsequenzen dies führt. Deshalb ist es selbstverständlich, dass die Menschen in solchen Situationen verlässliche Orientierungen brauchen. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass Mediziner, Juristen, Wissenschaftler und auch Politiker mit der Möglichkeit der Organspende, -entnahme, -vermittlung und –übertragung höchst verantwortlich umgehen. Noch immer werden in Deutschland zu wenige Organe gespendet. Viele Patienten stehen auf der Warteliste und müssen bis zu einer erfolgreichen Organtransplantation erhebliche gesundheitliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Nach Angabe der Deutschen Stiftung Organtransplantation - heute schon mal gehört, DSO - versterben täglich drei Menschen, die auf ein lebensrettendes Organ warten. Der Bedarf an Organen wird weiter steigen. Es wird mit einer Zunahme von Erkrankungen gerechnet, die durch eine Transplantation therapiert werden könnten. Gründe dafür sind die steigende Lebenserwartung sowie der technische Fortschritt, welcher Therapien durch Transplantationen erst möglich macht. Insgesamt warten ca. 12.000 Menschen auf ein neues Organ. Das Jahr 2009 brachte keine nennenswerte Steigerung der Organspenden in Deutschland. 1.217 Menschen haben nach dem Tod ihre Organe gespendet, das sind ganze 19 Spender mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Zahl der gespendeten Organe um 48 auf knapp 3.900 zurückgegangen. Eine Forsa-Studie belegt weiterhin, dass auf dem Gebiet der Organspende noch umfassende Informationsarbeit trotz allem notwendig ist. Immerhin 79 Prozent der Thüringer haben sich mit dem Thema Organspende wenig bis gar nicht auseinandergesetzt. Lediglich 6 Prozent der Thüringer besitzen einen Organspendeausweis. Nur gute und umfassende Aufklärungsarbeit, wozu auch Erfahrungsberichte von Betroffenen gehören, machen die Erfolge der Transplantationsmedizin für jeden deutlich. Die Menschen sollen sich mit dem Thema auseinandersetzen und für sich selbst eine Entscheidung treffen. Die Zahl der Organspenden hängt nicht nur von der Zustimmung des Verstorbenen bzw. seiner Angehörigen ab, sondern auch vom Engagement der Krankenhäuser. Umso wichtiger ist die Unterstützung der Kliniken, angefangen von den wenig routinierten Arbeitsabläufen von Organentnahmen, über den Bürokratie- und Organisationsaufwand, bis hin zur Optimierung der Spendermeldungen sind Modellprojekte denkbar. Nur wenn verschiedene Maßnahmen ineinandergreifen, kann die Zahl der Organspender und -spenden erhöht werden. Ziel ist es, Lebensqualität und Lebensdauer der Schwerkranken zu verbessern, die dringend auf ein lebensrettendes Organ warten. Lassen Sie uns daher gemeinsam im Ausschuss über Möglichkeiten beraten, wie wir die Spendebereitschaft der Thüringer in der jeweiligen eigenen Verantwortung der Menschen erörtern können. Vielen Dank.

13.06.2012 1747