Bildungspolitik

Nach dem Protest von Politikern und Unternehmern lenkt das Thüringer Kultusministerium ein. Der strittige Ausbildungsbereich kann in Sonneberg bleiben, sofern die Schülerzahlen es zulassen.

Sonneberg-Das Aufbegehren der örtlichen Vertreter aus Politik, Bildung und Wirtschaft im Landkreis Sonneberg gegen die Pläne zur Neuordnung des Thüringer Berufsschulnetzes zeigt Wirkung. "Das Thüringer Kultusministerium legt in der jüngsten Fassung zum Schulnetz fest, dass der Ausbildungsstandort Sonneberg in der dualen Ausbildung der Elektrotechnik Bestand hat, sofern die Schülerzahlen eine Klassenbildung ermöglichen", heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes. Groß sei der Ärger gewesen, als vor wenigen Wochen die Stellungnahmen des Landkreises zur Neuordnung des Berufsschulnetzes im Thüringer Kultusministerium wirkungslos verhallte. "Die Pläne des Ministeriums, wonach am Standort der Staatlichen Berufsbildenden Schule Sonneberg (SBBS) unter anderem die langjährig etablierte Ausbildungssparte der Elektrotechnik wegrationalisiert werden sollte, blieben trotz stichhaltiger Argumente unverändert", schreibt Landkreis Sprecher Michael Volk. Während einer Pressekonferenz hatten Landrätin Christine Zitzmann (CDU) und Schulleiter Jürgen Frieß ihren Unmut öffentlich gemacht (Freies Wort vom 30. März).

Gemeinsamer Protest

Bestärkt wurde die Landrätin in ihrem Vorgehen durch den Bildungsausschuss des Kreistages sowie durch Vertreter der regionalen Wirtschaft und Bildung. Zum Erhalt des Berufsschulstandortes in seinem derzeitigen Umfang hatten sich auch die Landtagsabgeordneten Beate Meißner (CDU), David Eckardt (SPD) und Marian Koppe (FDP) bekannt. "Die aus dem Landkreis Sonneberg gemeinsam vorgetragene Kritik zeigt nun Wirkung - insbesondere auch dank der Intervenierung des Landtagsabgeordneten David Eckardt (SPD) bei dem von seiner Partei geführten Thüringer Kultusministerium", heißt es in der Erklärung. Staatssekretär Roland Merten lenkte am Dienstag in einem Brief an die Landrätin ein und eröffnet dem Berufsschulstandort Sonneberg eine Perspektive. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Derzeit werden im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (TMBWK) die Stellungnahmen der Schulträger ausgewertet und eine abschließende Fassung des Schulnetzes erarbeitet. In diesem Rahmen werden auch ihre Anmerkungen zu den Standortvorschlägen des TMBWK nochmals geprüft. […] Sofern die Zahl der Auszubildenden in Südthüringen zum jeweiligen Schuljahresbeginn die Einrichtung von zwei Klassen ermöglicht, kann am Standort Sonneberg eine zweite Klasse mit dem Einzugsbereich 9 und 12 (Landkreise Hildburghausen und Sonneberg) eingerichtet werden. Im Schulnetz wird dies festgelegt." Im Landkreis wurde die Nachricht erfreut aufgenommen. "Das Entgegenkommen des Thüringer Kultusministeriums ist ein kleiner aber sehr bedeutungsvoller Erfolg für den Bildungs-und Wirtschaftsstandort Landkreis Sonneberg. Wir haben deutlich gemacht, wie hart uns die Konsequenzen einer einseitigen Schulnetzplanung treffen würden und sind nun erleichtert, dass man uns eine Perspektive aufzeigt", bemerkt die Landrätin. Ausdrücklich danke sie Staatssekretär Roland Merten für seine Kompromissbereitschaft, aber auch dem Landtagsabgeordneten David Eckardt (SPD) für seinen vermittelnden Einsatz sowie den Mitstreitern im Landkreis aus der Bildung und der Wirtschaft für das gezeigte Engagement. Indessen wies Schulleiter Jürgen Frieß darauf hin, dass die Aufgabe, die nötigen Schülerzahlen offenzulegen, natürlich nicht nur für Sonneberg, sondern auch für den Standort Meiningen gelten müsse.

Ball liegt in der Region

Für die Landrätin liegt der sprichwörtliche Ball nun wieder im Landkreis Sonneberg. "Wir selbst können und müssen jetzt für den Erhalt unseres Berufsschulstandortes mittun. Ich appelliere an unsere jungen Bürger, aber auch an die hiesige Unternehmerschaft, den Vorteil einer wohnortnahen Ausbildung an der SBBS Sonneberg rege zu nutzen. In den kommenden sechs Jahren, in denen das neue Schulnetz Bestand haben soll, müssen wir nachweisen, dass wir insbesondere in der dualen Ausbildung der Elektrotechnik einen Bedarf in Klassenstärke haben", erklärt Zitzmann.

14.04.2011 Freies Wort